Alter: 50    Kinder: Philip (24), Stephi (22), Lela (19)

 

Portrait Februar 2008

Abgesehen von einigen saisonalen Einsätzen in den örtlichen Erdbeerkulturen ist Maja Zimmermann vollamtliche Hausfrau, auch wenn ihre Kinder bereits 19, 22 und 24 Jahre alt sind. Sie hat sich bewusst dafür entschieden, nicht wieder in die Erwerbsarbeit einzusteigen. Wer nun denkt, dass sie 'nichts tut', der ist einem gängigen Klischee aufgesessen, das mit der Realität wenig zu tun hat. Maja Zimmermann: «Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass es auch diejenigen gibt, die Zeit finden für Menschen, welche sonst nur 'rennende Leute' um sich haben. Umgekehrt benötige auch ich die 'langsamen Menschen' in meinem Umfeld, denn gerade diese verströmen eine wohltuende Ruhe.»

Was Maja Zimmermann damit meint, wird im Gespräch bald klar. Es sind Menschen aus Nachbarschaft und Wohngemeinde; die hochbetagten Schwiegereltern, die sie regelmässig besucht und ihnen das Nötigste im Haushalt erledigt sowie ein warmes Essen kocht; ihre eigenen Eltern im fortgeschrittenen Alter, eine invalide Freundin und natürlich die eigenen Kinder, welche alle noch in der Ausbildung stehen und zu den erstaunlichsten Zeiten eine aufmerksame Ansprechperson benötigen.

Dadurch, dass sie ihrer Familie zu Hause über lange Zeit den Rücken freigehalten hat, hat ihr Mann die Zeit gefunden, sich in Behörden zu engagieren und ihr Sohn Philip war längere Zeit Betreuer einer Juniorenfussballmannschaft. Sie selbst hat sich am Aufbau einer Elternvereinigung beteiligt, eine Frauengesprächsgruppe und Kinderfeiern mitgeleitet und sich im Besuchsdienst der Kirchgemeinde engagiert.

So erbringt eine Hausfrau direkt und indirekt eine ganze Palette von Leistungen, nicht nur für die eigene Familie, sondern für die ganze Gesellschaft, welche sonst über Steuergelder bezahlt werden müssten oder gar ganz unter den Tisch fallen würden. Sie fängt mit ihrem Einsatz zu Hause und in ehrenamtlichen Tätigkeiten Probleme und Krisensituationen auf, die es in Familien, in Beziehungen oder am Arbeitsplatz immer wieder gibt. Bei einer Doppelbelastung mit Familie und Erwerbsarbeit bleibt wenig Luft für solche Dinge.

Maja liebt ihren Beruf, auch wenn es wohl viele nicht als Beruf bezeichnen würden, weil das Ausbildungsdiplom und der Lohncheck am Ende des Monats fehlen. Sie liebt die Vielseitigkeit und die handwerkliche Tätigkeit, die sich verändernden Aufgaben und Herausforderungen. Das beginnt mit der Babyphase der Kinder. Maja Zimmermann: «Man begleitet die Familie und das Umfeld durch viele Entwicklungen und Lebensphasen. Als Mutter bin ich dabei immer wieder mit neuen Fragen und Themen konfrontiert. Dadurch reift man und erschliesst sich viel Wissen und Erfahrung aus den verschiedensten Bereichen.»

 

 

Familienatmosphäre

Als die Kinder noch klein waren, wurde oft gemeinsam im Wohnzimmer die Brio-Eisenbahn aufgebaut. Die ging dann unter dem Tisch durch und rund um die Polstergruppe, wurde mit Bauklötzen, Häuschen, Tieren, Tännchen, Menschenfigürchen und Autos zu ganzen Landschaften ergänzt. Das gesamte Werk blieb dann tagelang stehen und konnte bespielt werden. Das ergab jeweils ein besonders gastliches Wohnzimmer.

Heute, da die Kinder grösser sind, ist jeder mehr mit sich selber, seinen Aufgaben und Hobbys beschäftigt, jeder in seinem Zimmer. Es geht zu und her wie in einer WG. Jeder kommt und geht je nach seinem Programm, man trifft sich in der Wohnküche, wenn einen der Hunger plagt oder Essensduft zu Tisch ruft. Wichtig sind auch die Treffpunkte zu zweit in einem Zimmer, wenn es etwas zu bereden gibt. Manchmal reden die einen nächtelang, wenn sie gerade etwas beschäftigt.

 

Highlights

Vor kurzem war Lela als Au-Pair in Kanada und betreute dort zwei Kinder, während die alleinerziehende Mutter arbeitete. Die Mutter kam erst spätabends nach Hause und sah die Kinder kaum. Lela rief mich einmal an und fragte «Hast Du schnell Zeit?». Sie wollte ein paar Dinge wissen, wie man dies und das im Haushalt genau macht und wie ich mit dieser oder jener Situation umgegangen sei, als ich noch kleine Kinder hatte. Im ersten Moment dachte ich: Jetzt bist Du doch in Kanada, warum rufst Du deswegen an und fragst nicht dort jemanden? Lela erzählte mir über ihre Erfahrungen in der Familie und wie sie erstaunt feststellte, dass da so vieles nicht da war, was für sie ganz selbstverständlich in einer Familie dazugehörte. Ich realisierte, wie wichtig es ihr war, dass sie auf meine Erfahrung zurückgreifen konnte und wie sie durch den Vergleich meine Arbeit zu schätzen begann. Ich realisierte auch, wie viel ich eigentlich in all den Jahren dazu gelernt hatte, seit ich einmal am Anfang stand wie sie jetzt.

 

 

Damit kann man mich jagen

Ich bin eine Ästhetin. Wenn irgendwo ein Gegenstand steht, der nicht da hin gehört, dann stört mich das. Ich kann zum Beispiel nicht mein Frühstück essen, wenn auf dem Tisch noch Mineralwasserflaschen vom Vorabend herumstehen.

 

Arbeitsteilung

Habe ich einmal einen schlechten Tag, an dem keiner etwas von mir verlangen sollte, ist mein Mann Thomas ein ruhiger Pol und Anlaufstelle für die Familie. Unsere jungen Erwachsenen geniessen und nutzen diese gerne und häufiger, seit Thomas seine langjährige Behördentätigkeit aufgegeben und mehr freie Zeit hat.

 

So organisiere ich mich

Ich konzentriere mich auf wenige Themen und setze dann Schwerpunkte. Da ist mal Garten- , Weiterbildungs-, Putz-, oder Entrümpelungszeit, je nach Saison. Ich möchte nicht unzählige Sachen an einem Tag machen. Für mich ist es effektiver, wenn ich dranbleiben kann. Ich putze lieber ein Zimmer oder einen Kühlschrank gründlich als mal da ein Stäubchen und dort ein Stäubchen wegzuwischen.

 

Typisch Hausfrau!

Oft, wenn ich sage «Jetzt mach ich nur noch schnell......», ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass es noch viel länger als angenommen dauern wird.

Kürzlich haben wir das Treppenhaus entrümpelt. Da habe ich die Mädchen gerufen, mir kurz zu helfen, und dann waren wir alle bis spät am Abend dran, bis wirklich alles stimmte. Das hat dann aber auch Spass gemacht.

 

So tanke ich auf

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und ich liebe es, mit meinen Händen zu arbeiten und etwas zu kreieren. Das gibt mir das Gefühl der Erdverbundenheit. In Haus und Garten arbeite ich mit Vorliebe mit Holz, Steinen und anderen Naturmaterialien.

Den notwendigen Ausgleich zur körperlich strengen Arbeit bringen mir das Chorsingen und das Spanischlernen, das ich vorwiegend mit spanischer Lektüre bewerkstellige. So tauche ich ein in ganz andere Welten und Lesen kann so beinahe zur Sucht werden.

Etwas ganz Besonderes, worauf ich mich jeweils das ganze Jahr freue, sind die acht bis zehn Wochen, in denen ich bei einem Erdbeerproduzenten arbeite. Ich betreue die Kunden, die selber Erdbeeren pflücken kommen, helfe danach bei der Setzlingsproduktion mit, und zuletzt beim Anlegen des neuen Erdbeerfeldes.

 

Das treibt mich

Das Interesse an Menschen, Dingen, Projekten. Wenn ich sehe, dass ich mit einem Projekt etwas verändern kann, dann ist mir das wichtiger, als eine blitzblanke Wohnung.

Die Zusammenarbeit mit Menschen, gemeinsam etwas bewirken und verändern, das fasziniert mich; der echte Austausch und die Suche nach Lösungen. Dass man aufeinander hört, Anliegen ernst nimmt. Sucht man einen echten Austausch, so können Lösungen gefunden und umgesetzt werden, sei dies nun in der Familie, der Politik oder in der Gemeinde.

Auch gegenüber meinen Kindern versuche ich, ehrlich zu meinen Gefühlen zu stehen und ihnen nichts vorzumachen, mich auch von Ihnen hinterfragen zu lassen.

 

 

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