Alex (32) und Nadja (39) Kinder: Elena (3½), Kira (6)
Portrait Juni 2005
Alex Wild liebt seinen Job als Hausmann: «Putzen, aufräumen, staubwischen, das macht mir einfach Spass. Bügeln zum Beispiel kann sehr meditativ sein.» Er hat die Hausarbeit deshalb gleich im doppelten Sinn zu seinem Beruf gemacht. Zum einen ist er Hausmann, wenn seine Frau Nadja arbeitet. Zum anderen ist der diplomierte Hauspfleger ausserhalb seiner vier Wände als «Huusmaa» tätig. Für die Spitex oder
in eigener Regie unterstützt er meist ältere Personen im Haushalt.
Das Flair für die Hausarbeit hat er wohl von seiner Mutter. Sie ist eine unorthodoxe Frau, die sich ihre eigenen Gedanken zu den Dingen macht. Oft sang sie bei der Hausarbeit und ihr Sohn Alex leistete ihr Gesellschaft dabei.
Der Umgang mit Kindern und älteren Menschen findet Alex Wild sehr interessant: « man kann viel voneinander lernen. Wenn ich für meine Kunden den Haushalt erledige, kann ich ihnen ein Stück Lebensqualität schenken. Das macht mich glücklich. Und oft ergeben sich in den Einsätzen interessante Gespräche. Der Austausch mit Menschen, die mehr Lebenserfahrung als ich haben, gibt mir einen guten Ausgleich zur Betreuung meiner Kinder.
Familienatmosphäre
Das ist unser traditioneller Sonntagsbrunch. Ich stehe früh auf, dafür macht Nadja das Frühstück. Wir sitzen alle zusammen und schwatzen. Mal ernsthafter, mal haben wir’s lustig miteinander, aber immer locker und gemütlich.
Highlights
Das Spiel mit den Kindern und das Eintauchen in Ihre Welt. Das weckt viele Kindheitserinnerungen und ich sehe die Dinge wieder aus der Sicht des kleinen Jungen der ich mal war. Und dann gibt es natürlich auch die Tage, an denen alle mit dem linken Bein aufgestanden sind und an denen wir uns nur gegenseitig auf den Geist gehen.
Damit kann man mich jagen
Grossanlässe und Feste aller Art. Kindergartenfeste zum Beispiel. Wenn sich alle versammeln, der Smalltalk – das stresst mich.
So organisiere ich mich
Wir haben beide feste Arbeitstage. Meine Frau Nadja arbeitet 3 Tage, an den anderen wirke ich in der Spitex. Zwischendurch übernehme ich Aufträge als «Huusmaa». Durch die festen Einsätze braucht es keine ständigen Absprachen. Und da ich nicht an den Wochenenden arbeiten muss, bleibt genügend Zeit für Aktivitäten als „ganze Familie“.
Typisch Hausmann!
Typische Hausmänner treffe ich eigentlich nur in Cartoons oder Lustspielen aus den 80ern, und mit denen habe ich nicht viele Gemeinsamkeiten.
Eine Schürze trage ich auf jeden Fall nur im Dienst und Bits und Bytes reizen mich mehr als Nadel und Faden. Eine Unsitte ist das "Alles-gleichzeitig-und-nichts-richtig-machen". Wenn ich zum Beispiel die grandiose Idee habe, während des Kochens noch schnell ein PC-Problemchen zu beheben, ist das Resultat weder auf Tisch- noch Festplatte befriedigend.
So tanke ich auf
Am Abend ein Bier trinken gehen oder mich ins Vereinsleben stürzen, das liegt mir nicht. Mein Job als Hausmann stresst mich nicht, da brauche ich auch nicht ständig Erholung – das bilde ich mir zumindest ein. Lieber sitze ich zwischendurch mal ans Klavier und singe etwas, oder meine Frau und ich gönnen uns einen Theaterabend. Als ehemalige Laienschauspieler können wir jeweils noch lange von einer gelungenen Aufführung zehren.
Abschalten kann ich auch am Computer, beim Gestalten meiner Homepage oder beim Werkeln an Codeschnippseln von Compigames.
Das treibt mich
Ich liebe es, gegen den Strom zu schwimmen. Das ist einfach spannender, als auf ausgelatschten Männerpfaden zu wandeln. Meine Arbeit in der Familie macht mir Spass, ich bin eben einfach nicht der Karrieretyp. Das ist vielleicht nicht besonders männlich, aber ich stehe dazu und für mich ist es gut so. Und vielleicht könnte das Hausmannsleben auch für andere eine attraktive Alternative zur traditionellen Männerrolle sein.
